Hintergrund

Die Idee zu p2d2 entstand aus der Praxis. Bei Arbeiten für die Stadt Köln wurde ein Prozess zur Erfassung von Friedhofsdaten entwickelt, der sich als gut eignet, gemeinsam mit einer OSM-Community und der Öffentlichkeit durchgeführt zu werden. Diabei sind drei Eigenschaftenen relevant: Die Daten der Verstorbenen fallen nicht mehr unter die DSGVO/GDPR, die eingesetzte Software ist komplett quelloffen, und der Erfassungsprozess lässt sich mit überschaubarem Aufwand in ein webbasiertes GIS-System übertragen. Und so wurde der für die interne Verwaltung begonnene Prozess (QGIS) ins Web übertragen und wird hoffentlich auf ganz viele Themen ausge weitet - mit Blick auf WikiData vielleicht auch auf Daten ohne Geo-Bezug.

Motivation

Friedhöfe sind Kultur- und Naturraum. Sie sind Orte der Erinnerung, aber auch der Begegnung und der Biodiversität. Dass sie auch digital erschlossen werden sollten, liegt nahe - doch wer erschließt sie, und für wen? Die Motivation hinter p2d2 war von Anfang an, Bürgerinnen und Bürgern einen nutzbaren Zugriff auf die Daten ihrer Räume zu geben. Nicht, damit sie Daten konsumieren, sondern damit sie diese Räume im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten mitgestalten können.

Hinzu kam eine zweite Einsicht: Der Erfassungsprozess lässt sich von Köln auf andere Kommunen übertragen. Was als Lösung für eine Stadt begann, kann als Blaupause für interkommunale Kooperationen dienen - oder einfach als Startpunkt für Kommunen, die eigene Wege gehen, aber nicht bei Null anfangen wollen.

Datenablage in OpenStreetMap und der Data-DNA-Gedanke

Von Anfang an war klar, dass die Friedhofsdaten nicht in einem weiteren isolierten System landen sollten. Sie gehören in die OpenStreetMap - den gemeinsamen, von einer weltweiten Gemeinschaft gepflegten Datenbestand. Der zweite Schritt war ebenso wichtig: die Möglichkeit, die OSM-Daten zurück in die Verwaltung zu synchronisieren. Beide Richtungen müssen so funktionieren, dass Vorschläge zur Übernahme geänderter Daten gemacht werden, die Entscheidung aber auf beiden Seiten souverän bleibt. Keine Seite wird gezwungen, Daten zu übernehmen, die sie nicht übernehmen will.

Data-DNA

Animierte DNA Nach der ersten Synchronisation entstehen zwei organisatorisch unabhängige, aber inhaltlich synchrone Daten-Pools: den der öffentlichen Verwaltung und den der Öffentlichkeit (OSM). Das Motiv der DNA liegt nah - zwei Stränge, die dieselbe Information tragen, aber vollständig souverän in ihren Prozessen sind. Weil beide wissen, dass es um dasselbe Objekt geht, entstehen Kooperationen und Synergien, von denen Bürger, die Verwaltung und auch Anbieter neuer Dienstleistungen profitieren.

Die biologische DNA ist nicht zufällig der stabilste Datenspeicher, den die Natur hervorgebracht hat. Ihre Stabilität beruht auf der gegenseitigen Kontrolle der beiden Stränge: Die Information des einen Strangs ist komplementär zum anderen, Information liegt doppelt vor und kann bei Fehlern korrigiert werden. Auf p2d2 übertragen heißt das: Verwalungsdaten und OSM-Daten kontrollieren und korrigieren sich gegenseitig. Ein Fehler in einem Strang fällt auf, weil der andere Strang ihn nicht bestätigt.

Was aber häufig übersehen wird: DNA ist nicht nur stabil, sondern auch evolutionsfähig. Es sind genau die kontrollierten Abweichungen zwischen den Strängen, die biologische Weiterentwicklung erst ermöglichen. Übertragen auf p2d2: Beide Datenstränge können sich unabhängig weiterentwickeln. Die Verwaltung kann neue Daten aus Fachverfahren einspielen, die OSM-Community kann aus eigener Kenntnis ergänzen und korrigieren. Das System ist stabil, weil es Fehler erkennt - und anpassungsfähig, weil beide Seiten eigenständig handeln können. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber einer zentralen Datenhaltung, die entweder stabil oder flexibel sein kann, aber selten beides.

Thematische Offenheit

Friedhöfe waren der Ausgangspunkt - aber nicht die Grenze. Der Prozess, der für Friedhofsdaten entwickelt wurde, lässt sich auf andere kommunale Objekttypen übertragen: Baumscheiben, die von städtischen Grünflächenämtern verwaltet werden, Straßenlaternen, die bei den Stadtwerken in den Büchern stehen, Spielplätze, Denkmäler. Was diese Kategorien gemeinsam haben: Sie sind räumlich verortbar, werden von öffentlichen Stellen verwaltet, können von Bürgerinnen wahrgenommen und bewertet werden, und ihr Zustand ist für die Öffentlichkeit von Belang.

p2d2 ist strukturell für diese Kategorien vorbereitet. Sie warten auf Daten und auf die Kommunen, die sie einbringen wollen. Das ist kein Versprechen, sondern eine Einladung: Wer Datensätze hat und sie in diesen Prozess einbringen möchte, findet eine Architektur vor, die dafür gemacht ist.